Prüfstandards

des Bundes Philatelistischer Prüfer e. V. (BPP)

BPP Versammlung

1. Grundlage einer Prüfung

  • Die Feststellungen eines Prüfers zu einem philatelistischen Prüfgegenstand können in der Regel nicht mit absoluter Sicherheit, sondern nur mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgen.
  • Ein generell anwendbares Verfahren zur Prüfung philatelistischer Gegenstände existiert nicht. Gegebenenfalls hat der Prüfer verschiedene Verfahren anzuwenden, um zu einem zutreffenden Prüfurteil zu gelangen.
  • Die Prüfung erfolgt auf der Grundlage des zum Zeitpunkt der Prüfung vorhandenen Wissens und der vorhandenen Vergleichssammlung.
  • Das Vorliegen von originalem Vergleichsmaterial in ausreichendem Maße (z. B. für Postwertzeichen, Farben, Typen, Gummierungen und Entwertungen) in ständigem Eigentum oder Besitz des Prüfers ist Voraussetzung einer jeden Prüfung. Weiterhin sind Datensammlungen (z. B. Register der besseren und fälschungsgefährdeten Stücke des Prüfgebietes, Kopien der vom Prüfer selbst erstellten Atteste, Auktionskataloge, Stempelabbildungen, Literatur) zur Prüfung notwendig.
  • Gesicherte Forschungsergebnisse philatelistischer Autoren und Arbeitsgemeinschaften sowie postgeschichtliche und zeitgeschichtliche Hintergründe zum Prüfgebiet sind zu berücksichtigen.
  • Qualitätseinschätzungen beziehen sich auf den Zustand des Prüfgegenstandes. Sie beruhen immer auf der subjektiven Beurteilung des jeweiligen Prüfers. Einheitliche Qualitätsmaßstäbe sind – generalisiert – nicht für alle Prüfgebiete, aber innerhalb eines vertretbaren Rahmens für ein Prüfgebiet möglich.

2. Prüfung der Echtheit und Klassifizierung des Prüfgegenstandes

  • Beurteilung des Markenbildes und eventueller Aufdrucke bei verschiedenen Vergrößerungen unter Benutzung originalen Vergleichsmaterials.
  • Vergleich des Prüfstückes in Papier, Farbe und Perforation oder Schnitt mit Originalmarken sowie bekannten Fälschungen.
  • Prüfung der Gummierung einschließlich Gummiriffelung bei schräg einfallendem Licht und / oder UV-Licht im direkten Vergleich mit echten Stücken, gegebenenfalls unter Vergrößerung. Bei gezähnten oder durchstochenen Marken Prüfung der Perforierung auf eventuelle Verklebungen.
  • Prüfung und Klassifizierung des Wasserzeichens, der Farbe, der Type und der Zähnung.
  • Bei Ganzstücken sind neben Marken und Stempeln die Authentizität der Beschriftung, der Klebezettel und postalischen Vermerke, die Portorichtigkeit sowie postgeschichtliche Besonderheiten zu untersuchen.
  • Bei Briefstücken und Ganzstücken ist der originale Sitz der Marke zu prüfen.

3. Prüfung der Entwertung

  • Vergleich mit einem Originalstempelabschlag (Farbe und Abmessungen) unter verschiedener Vergrößerung. Kongruenzprüfung des Stempels bei ausreichender Vergrößerung.
  • Beurteilung der Feinstruktur des Stempels zur Erkennung feinster Details mit Hilfe eines Stereomikroskops, insbesondere bei Stempelfälschungen, die mittels Klischeestempeln, Fotokopie oder Scanner hergestellt worden sind.
  • Vergleich des Stempels mit den bekannten Fälschungen.
  • Feststellung der Verwendung des Stempels während der Gültigkeit des Postwertzeichens unter Beachtung eventueller missbräuchlicher Verwendungen (Rückdatierungen).

4. Prüfung des Zustandes des Prüfstückes

  • Beurteilung des Zustandes bei ausreichender Vergrößerung.
  • Untersuchung bei starker Vergrößerung auf eventuelle Manipulationen oder Reparaturen (z. B. Nachmalungen, Einsetzen von Fremdteilen, Spaltung und Zusammenfügen von verschiedenen Ober- und Unterteilen).
  • Feststellung von Reparaturen mit Substanzen, welche das Prüfstück nicht zerstören, z. B. Benzin oder Wasser.
  • Prüfung mittels verschiedener Lichtquellen (z. B. UV-Licht) in Auflicht, Durchlicht oder Streiflicht.
  • Prüfung des Oberflächenzustandes zur Feststellung eventueller Reinigungen.

5. Technische Hilfsmittel

  • Reproduzierbare Lichtquellen wie Tageslichtlampe, Kaltlichtlampe.
  • Qualitäts-Lupen mit drei- bis 15-facher Vergrößerung.
  • Stereo-Lupe bzw. Stereo-Mikroskop von 7-facher bis mindestens 20-facher Vergrößerung mit hochwertiger Optik und großem Gesichtsfeld.
  • UV-Lampe mit 366 nm Wellenlänge und einer Leistung von mindestens 100 Watt, bei Phosphoreszenzprüfung 256 nm Wellenlänge.
  • Zähnungsschlüssel, Wasserzeichensuchgeräte, Papierstärkenmessgerät mit einer Mindestauflage-fläche mit 3 mm Durchmesser.
  • Fakultativ Fotokopiergerät, Video- oder digitale Kamera, Scanner, Computer.

6. Gebot der Wirtschaftlichkeit einer Prüfung

  • Der Prüfer beurteilt den Prüfgegenstand unter Beachtung der Punkte 1 bis 5. Damit sind Prüfmethoden ausgeschlossen, die üblicherweise dem Prüfer nicht zur Verfügung stehen oder die mit einem Kostenaufwand verbunden sind, der weit über das übliche Maß hinausgeht und aus dem Prüferhonorar nicht abgedeckt werden kann. Hierzu zählen z. B. Prüfmethoden, die nur in wenigen technischen Instituten durchgeführt werden können (z. B. Isotopenverfahren, C-14-Altersbestimmung, Röntgen-fluoreszenz und sonstige aufwendige physikalische und chemische Methoden).
  • Auch bei Anwendung der unter 1 bis 5 beschriebenen Grundsätze gilt das Gebot der Wirtschaftlichkeit, d. h. der zur Prüfung notwendige Arbeitsaufwand und die anzuwendenden Prüfmethoden haben sich am Wert des Prüfgegenstandes zu orientieren und müssen in einem angemessenen Verhältnis zum Prüfhonorar und zum Wert des Prüfgegenstandes stehen.
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