Postverkehr in Kurland 1944/45

Wilhelm van Loo

Was kann ein Sammelgebiet mit gerade einmal fünf erschienenen Briefmarken dem Philatelisten an Herausforderung bieten? Hat es überhaupt einen Schwierigkeitsgrad, dem sich ein Sammler, vielleicht gar ein Prüfer stellen kann? Solche Fragen zeugen von einer Ahnungslosigkeit um die Verhältnisse der Feldpost, wie sie im besagten Zeitraum im lettischen Kurland tatsächlich gegeben waren.

Denn die deutsche Heeresgruppe Nord, die spätere Heeresgruppe Kurland, widerstand in sechs „Kurlandschlachten“ von Oktober 1944 bis März 1945 allen sowjetischen Übernahmeversuchen. Die erhalten gebliebenen Dokumentationen damaliger Feldpost erzählen davon. Wilhelm van Loo, der sich seit 40 Jahren mit diesem Thema beschäftigt, beschreibt nicht nur die militärische Situation zu jener Zeit, die Arbeitsweise der Feldpostämter, identifiziert die Truppen und Einheiten, die zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten zu Lande, zu Wasser und in der Luft tatsächlich da waren, er berücksichtigt auch die zivile Post. Damit auch die Verwendung der „Ostland“-, resp. der „Kurland“-Marken mit Aufdruck.

Über 30 Jahre lang recherchierte er Fragen zur Echtheit eines jedem ihm bekannt gewordenen „Kurland-Schnellbriefes“, also der teuren Markenhalbierungen, die unter Sammlern wie Händlern eine hohe Nachfrage haben und ihm häufig zur Prüfung vorgelegt wurden. Sehr viele Fälschungen, Verfälschungen, aber auch Stempelfälschungen und nachträgliche Entwertungen mit echten Stempel konnte er dabei nachweisen. Die Entdeckung solcher Manipulationen wurde ihm dabei durch seine Erforschung der Adressaten/Absender und deren Standorte und Einheiten erleichtert. In diesem Buch, dem bislang siebten Band der Schriftenreihe des Bundes Philatelistischer Prüfer, fasst er nicht nur sein Lebenswerk als Fachprüfer des Verbandes zusammen, er öffnet auch all seine Quellen zeit- und postgeschichtlicher Art und teilt sein Wissen mit dem Leser.

Dank seiner enormen Kenntnisse der Möglichkeiten der Fotografie präsentiert er vieles im Vergrößerungsdetail, bringt aber auch Karten, Skizzen sowie Statistiken zum Leben. Selbst den Kenner erwartet dabei eine Informationsfülle, die einerseits fast schon erschlägt, andererseits aber auch bisheriges Wissen revidiert zusammenfasst. Von manchen bisherigen Urteilen wird man dabei Abschied nehmen müssen.

Dies galt wohl auch für Einzelne, deren menschliche Schicksale er in einem abschließenden Kapitel „Vom Sterben in Kurland und dem ‚Überleben‘ in russischer Gefangenschaft“ exemplarisch vorstellt. Hatten sie bis zur bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945 durchgehalten, sogar noch Pläne eines eigenen „Freikorps“ erwogen, gerieten etwa 200 000 Deutsche und Letten am 10. Mai 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Van Loo erinnert mit berührenden Dokumenten an ihr Schicksal, aber auch mit einem letzten Kapitel an die Forscher und Prüfer der Kurlandphilatelie, die auf ihrem Gebiet Geschichte geschrieben haben.

Das mit 312 Seiten im Großformat umfangreiche Forschungswerk passt in die Reihe der bisher erschienenen Bücher der BPP-Schriftenreihe. Es ist adäquat ausgestattet, in Farbe gedruckt und dank einer Förderung der Stiftung zur Förderung der Philatelie und Postgeschichte sehr preiswert.

Format 21 x 28 cm, 312 Seiten, zahlr. Farbabb., Hardcover mit Fadenheftung, Selbstverlag des Autors 2016, VP: 32 Euro (zzgl. 5 Euro Paketporto, Inland). Bezug: Wilhelm van Loo, Aussemstr. 26, 52066 Aachen, E-Mail: info@wvanloo.de. Auslieferung: Phil*Creativ Verlag, Vogelsrather Weg 27, 41366 Schwalmtal, Tel. 0 21 63/4 97 60, Fax: 0 21 63/3 00 03, E-Mail: faktura@philcreativ.de

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