Die ersten zehn Jahre

Die Wahl Wilhelm Hofingers zum ersten Vorsitzenden des BPP erscheint für den, der heute den damaligen Vorgängen nachspürt, überraschend. Vielleicht erklärt sich jedoch aus dem philatelistischen Lebenslauf des 1895 geborenen Hofinger seine Wahl.

Auf dem dritten Bundestag des BDPh am 30. September/1. Oktober 1949 in München wurde Hofinger zum Leiter der Bundesstelle G-Presse und Werbung gewählt, eine Aufgabe, die er sechs Jahre bis zum neunten Bundestag am 17. September 1955 in Düsseldorf wahrnahm.

unten Mitte und rechts: Wilhelm Hofinger, Dr. Heinz Jaeger (BDPh), oben links und rechts: Franz Pfenninger, Hans Hunziker (AIEP), 1961

Am 20. Februar 1950 wurde er von der Oberprüfstelle der Bundesstelle C-Prüfungswesen als Bundesprüfer für Frankreich und dessen Kolonien zugelassen. 1954 war Hofinger Gründungsmitglied der AIEP in Meran. Am elften Bundestag, der am 24. August 1958 in Stuttgart stattfand, gab der erste Vorsitzende des BDPh, Hermann Deninger, bekannt, daß Hofinger als Kommissionspräsident der Internationalen Oberprüf- und Fälschungsbekämpfungsstelle der FIP berufen worden sei. Der FIP-Kongreß am 18. Juni 1964 in Paris bestätigte Hofinger in diesem Amt, das er bis zu seinem Rücktritt im Jahre 1968 ausübte.

Am neunten Bundestag des BDPh in Düsseldorf wurde Hofinger in den Bundesbeirat gewählt, dem er nach Wiederwahl am elften Bundestag in Stuttgart, am zwölften Bundestag am 2. August 1958 in Karlsruhe und am 15. Bundestag am 2. September 1961 in Nürnberg bis zum 18. Bundestag am 29. August 1964 in Heidelberg angehörte.

Beim zwölften Bundestag in Karlsruhe wurde Hofinger zum Stellvertreter des Bundesstellenleiters Prüfungswesen, Otto W. Wendt, gewählt. Beim 13. Bundestag am 5. September 1959 in Lübeck wählte man ihn zum Leiter der Bundesstellen C und D. Der 15. Bundestag in Nürnberg bestätigte ihn in diesen Ämtern, die er bis zum 18. Bundestag in Heidelberg wahrnahm, wo ihn der 26 Jahre jüngere Dr. Arno Debo ablöste.

Die Bundes-Nachrichten Nr. 48 vom Juli 1960 enthielten die Mitteilung, daß Hofinger aufgrund seiner zahlreichen Veröffentlichungen korrespondierendes Mitglied der „Academie Française“ geworden sei.

Dieser philatelistische Lebenslauf zeigt, daß Hofinger bei seiner Wahl am 7. Dezember 1958 zum ersten Vorsitzenden des BPP kein „unbeschriebenes Blatt“ war, auch wenn er in den 90 Rundbriefen, die von Menge herausgegeben wurden, nie durch sichtbares Engagement in Prüferfragen, insbesondere im Streit zwischen BDPh und Menge, auffiel. Insoweit erscheint dem heutigen Betrachter seine Wahl doch überraschend.

Auch die Gründe für sein Ausscheiden aus dem Vorstand des BPP werden nicht recht deutlich. Eine wesentliche Ursache könnte sein Zerwürfnis mit Bernhard Droese gewesen sein. Das Rundschreiben des BPP, Nr. 15 vom 3. Mai 1962, enthielt die Mitteilung, daß Droese sein Amt als Kassenwart niedergelegt habe, weil sein Brief an den Schriftführer des BPP, Dr. Heinrich Wittmann, in dem er sich über einen anderen Prüfer kritisch äußerte, jenem dadurch zur Kenntnis gelangte, daß Hofinger das Originalschreiben einfach an den Betroffenen zur Stellungnahme weitergereicht hatte.

Aus dem Bericht über die Mitgliederversammlung vom 9. Mai 1962 ist außerdem zu entnehmen, daß es auch über die von Droese herausgegebene Prüferliste zu Mißhelligkeiten zwischen Hofinger und Droese kam.

In der Einladung zur Mitgliederversammlung am 19. Oktober 1963 in München befand sich unter TOP 7b ein brisanter Punkt. Er beinhaltete den Einspruch Droeses gegen seinen einstweiligen Ausschluß aus dem BPP, den der Vorstand am 24. Juni 1963 „wegen Schädigung des Ansehens des deutschen Prüfwesens in der Öffentlichkeit“ verhängt hatte. Diesem TOP lag eine sechsseitige „Begründung zum Ausschluß-Antrag des 1. Vorsitzenden gegen Herrn Droese“ bei. Droese reagierte hierauf mit einem elfseitigen offenen Brief an Hofinger, in dem er diesem unter anderem vorwarf, daß er in allen deutschen Fachzeitungen in ganz eindeutig geschäftsschädigender Weise gegen Droeses Prüferliste und auch gegen ihn persönlich zu Felde gezogen sei. Dem von Droese eingeschalteten Rechtsanwalt schrieb Hofinger laut Droese am 23. Januar 1963:

„Im übrigen bin ich fest entschlossen, und habe dies auch sowohl dem Bund deutscher Philatelisten als auch dem APHV16) verbindlich mitgeteilt, den Vorsitz im Prüferbund bei unserer nächsten Mitgliederversammlung noch in diesem Jahr definitiv abzugeben“. Droese erwähnte dies ausdrücklich in seinem offenen Brief, damit Hofinger später nicht behaupten könne, Droese sei die Ursache für seinen Rücktritt gewesen.

Wie dem auch sei, das Protokoll der Mitgliederversammlung vom 19. Januar 1963 vermerkt folgendes: „Auf Grund längerer Verhandlungen vor der Versammlung war es den Herren Vossen und Dr. Wittmann gelungen, die zwischen den Herren Hofinger und Droese entstandenen Streitigkeiten beizulegen. Herr Hofinger beantragt hierzu, den Vorstandsbeschluss vom 24. Juni 1963 auf Ausschluss des Herrn Droese aufzuheben.“

Zu Tagesordnungspunkt 8a), Neuwahlen des Vorstandes, vermerkte das Protokoll lapidar: „Es werden gewählt zum 1. Vorsitzenden: Herr Dr. Debo, 2. Vorsitzenden: Herr Pfenninger, 3. Vorsitzenden: Herr Drahn, Kassenwart: Herr Ritter, Schriftführer: Herr Dr. Wittmann.“

von links: Dr. Heinrich Wittmann, Wilhelm Hofinger, Rudolf Bald (BDPh), ca. 1960
Franz Pfenninger, 1959
Franz Ritter, 1973

Das Protokoll enthielt keinerlei Hinweis, daß und warum Hofinger zurücktrat oder sich nicht mehr zur Wahl stellte. Es fand sich im Protokoll auch kein Wort des Dankes für seine fünfjährige Tätigkeit als erster Vorsitzender. Zu dieser „Wortlosigkeit“ im Kontrast stand die unmittelbar auf das Wahlergebnis folgende Protokollnotiz, daß Herr Gaedicke gebeten habe, von einer Wiederwahl als stellvertretender Leiter der Fälschungsbekämpfungsstelle abzusehen und ihm die Versammlung ausdrücklich den Dank für die geleistete Arbeit aussprach.

Hofinger gehörte dem BPP noch für zehn Jahre als Mitglied an, bis er unter dem 26. Februar 1973 im Alter von 77 Jahren seinen Austritt erklärte.

Mit der Wahl von Dr. Arno Debo zum ersten Vorsitzenden begann eine Ära, die 27 Jahre dauern sollte und in der zahlreiche entscheidende Weichenstellungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des BPP erfolgen sollten.

Nachdem sich APHV und BDPh im Vorfeld der Gründung des BPP intensiv mit dem Prüfwesen beschäftigt hatten, flaute nach der Gründung ihr Interesse schlagartig ab.

Mit Ausnahme der Mitgliederversammlung vom 27. Mai 1959, an der vom BDPh die Herren Richard Renner und Alois Wilhelm Bögershausen teilnahmen, und der Mitgliederversammlung vom 3. September 1961, bei der das BDPh - Vorstandsmitglied Wilhelm Kähler anwesend war, nahm bis 1969 an den Mitgliederversammlungen des BPP kein Vertreter der beiden Schirmherren APHV und BDPh mehr teil.

Dies änderte sich mit dem Präsidentenwechsel beim APHV. Jürgen Ehrlich trat 1968 die Nachfolge von Paul Hartung an. Eine Teilnahme von Ehrlich an der Mitgliederversammlung 1968, zu der er von Dr. Arno Debo eingeladen worden war, kam nicht zustande, weil Dr. Heinrich Wittmann sich weigerte, an der Versammlung teilzunehmen, wenn Ehrlich anwesend sei, da dieser ihn und den BPP diffamiert habe. Der Vorschlag des von Debo um Vermittlung gebetenen F. K. Vossen, „die bestehenden Differenzen für die Dauer der Prüferversammlung auszuklammern und sich später zu einer eingehenden Aussprache zusammenzufinden, fand nicht die Zustimmung von Dr. Wittmann.“ 17) Daraufhin verzichtete Ehrlich auf eine Teilnahme an der Mitgliederversammlung, wobei er anmerkte, er sei aus rein fachlichen Gründen zur Versammlung gekommen und nicht „um irgendwelche verbandlichen Gesichtspunkte zur Sprache zu bringen.“ 18)

Hier zeichnete sich schon ab, was während der Präsidentschaft Ehrlichs beim APHV, die bis 1992 dauerte, in weiten Teilen sein Verhältnis zum BPP bestimmte.

Nachdem bei der Mitgliederversammlung am 23. November 1969 wieder kein Vertreter der Schirmherren anwesend war, änderte sich dies im folgenden Jahr. Zur Mitgliederversammlung am 22. November 1970 erschienen vom BDPh Vizepräsident Dr. Heinz Jaeger und der Leiter der Bundesstelle Fälschungsbekämpfung, Oberstaatsanwalt Heinz Dobbert, sowie vom APHV Präsident Jürgen Ehrlich und Vizepräsident Günter Schwanke. Das war ein Signal, daß die Schirmherren BDPh und APHV künftig beabsichtigten, mehr Einfluß auf das Prüfwesen zu nehmen.

16) Eine derartige Mitteilung Hofingers war in den Akten des APHV nicht auffindbar - d.V.

17) Niederschrift von F. K. Vossen vom 17. November 1968.

18) Notiz von Jürgen Ehrlich, ohne Datum.

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