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Prüfstandards

des Bundes Philatelistischer Prüfer e.V. (BPP)

Richtlinie für die Prüfung von Briefmarken, Abstempelungen und
philatelistischen Belegen

Stand: 27.04.2019

Der BPP ist die größte nationale Organisation von philatelistischen Prüfern weltweit. Der Verein
hat in den letzten Jahrzehnten in Deutschland eine bedeutende Stellung erreicht. Um diese auch in
Zukunft sicherstellen zu können, ist es erforderlich, dass bei Prüfungen durch Mitglieder des BPP
ein gewisser einheitlicher Mindeststandard sichergestellt ist. Die nachfolgende Richtlinie ist daher
bei der Prüfung von Briefmarken, Abstempelungen und philatelistischen Belegen zu beachten.

1. Grundlagen der Prüfung

1.1. Vorbemerkung
Der Prüfer hat bei jeder Prüfung eine kritische Grundhaltung einzunehmen. Das Prüfungsergebnis stellt einen Positivbefund in dem Sinne dar, dass der Prüfer mit
seinem Prüfurteil die Echtheit eines Prüfgegenstandes feststellt. Die Feststellung der Echtheit kann weder eingeschränkt noch relativiert werden. Der Prüfer muss auf
der Grundlage seiner Prüfung zu der Überzeugung gelangt sein, dass der zu beurteilende Prüfgegenstand echt ist. Bei einem unklaren Prüfergebnis ist es nicht
die Aufgabe des Prüfers, eine Fälschung oder Verfälschung nachzuweisen. Wenn der Prüfer bei Durchführung seiner Prüfung nicht zweifelsfrei zu der Überzeugung
gelangt, dass der Prüfgegenstand echt ist, ist die Prüfung abzulehnen. Nur bei einer nachweisbaren Fälschung ist der Prüfgegenstand entsprechend der Prüfordnung zu
kennzeichnen.

1.1. Grundsatz der Wirtschaftlichkeit einer Prüfung
Es gilt das Gebot der Wirtschaftlichkeit, d. h. der zur Prüfung notwendige Arbeitsaufwand und die anzuwendenden Prüfmethoden haben sich am Wert des
Prüfgegenstandes zu orientieren und müssen in einem angemessenen Verhältnis zwischen Prüfvergütung und Wert des Prüfgegenstandes stehen. Das bedeutet,
dass bei geringwertigen Prüfgegenständen nur grundlegende Prüfungshandlungen gefordert werden können. Im Umkehrschluss heißt dies, dass bei hochwertigen
Prüfgegenständen unter Umständen auch sehr weitreichende Prüfungshandlungen notwendig sein können. Grundsätzlich sind Prüfmethoden ausgeschlossen, die üblicherweise dem Prüfer
nicht zur Verfügung stehen oder die mit einem Aufwand verbunden sind, der weit über das übliche Maß hinausgeht und durch die Prüfvergütung nicht abgedeckt werden kann. Hierzu zählen z. B. Prüfmethoden, die nur in wenigen technischen
Instituten durchgeführt werden können (z. B. Isotopenverfahren, C-14-Altersbestimmung, Röntgen-Fluoreszenz und sonstige aufwändige physikalische und chemische
Methoden) oder zeit- und kostenintensive Recherchen.

1.2. Grundlegende Prüfungshandlungen
Folgende Prüfungshandlungen sind grundsätzlich bei jedem Prüfgegenstand, der
mit „Name BPP“ signiert werden soll, vorzunehmen:

  • Kontrolle unter UV-Lampe,
  • Begutachtung unter Schräglicht vorderseitig und rückseitig, sowohl mit freiem
    Auge als auch mit einer geeigneten Lupe,
  • Begutachtung unter Durchlicht,
  • Überprüfung der Trennungsart auf Manipulationen/Veränderungen.

1.3. Weiterführende Prüfungshandlungen
Wird ein Fotobefund oder ein Fotoattest ausgestellt, sind zusätzlich zu den unter
Punkt 1.2. genannten Prüfungshandlungen folgende, weitergehenden Prüfungshandlungen
vorzunehmen:

  • Begutachtung unter dem Mikroskop, dabei ist der komplette Prüfgegenstand
    vorder- und rückseitig zu kontrollieren,
  • Begutachtung der Gummierung unter dem Mikroskop zur Feststellung der
    Erhaltung (postfrisch/ungebraucht),
  • Begutachtung einer losen Marke im Benzinbad, zumindest im klassischen
    und semiklassischen Bereich.

Bei sehr hochwertigen oder besonders fälschungsgefährdeten Prüfgegenständen ist
die Vornahme folgender Prüfungshandlungen angeraten:

  • Begutachtung mit Mikroskop unter UV-Licht (Aufdeckung von Reparaturen),
  • Mikrostrukturprüfung der Entwertung und der Marke (Reparaturen,
    Nachmalungen),
  • gegebenenfalls Konsultation eines erfahrenen Kollegen.

2. Technische Ausstattung eines Prüfers

  • Stereo-Mikroskop von 7-facher bis mindestens 20-facher Vergrößerung mit hochwertiger
    Optik und ausreichend großem Gesichtsfeld,
  • reproduzierbare Lichtquellen wie Tageslichtlampe, Kaltlichtlampe,
  • UV-Lampe mit 366 nm Wellenlänge,
  • Qualitäts-Lupen mit drei- bis zehnfacher Vergrößerung,
  • Zähnungsschlüssel, Wasserzeichensuchgeräte und gegebenenfalls Papierstärkenmessgerät
    mit einer Mindestauflagefläche von 3 mm Durchmesser,
  • Computer mit Bildbearbeitungssoftware, Scanner, Farbdrucker.

Bei Zulassung für Prüfgebiete mit besonders teuren und/oder fälschungsgefährdeten Marken kann der Vorstand eine Auflage zur Anschaffung weiterer Geräte,
wie z.B. IR-Licht, Lumineszenz- und Absorptionsprüfgerät, besonders hochauflösendes Mikroskop, UV-Lampe mit 256 nm Wellenlänge für Phosphoreszenzprüfung
usw., erteilen.

3. Registrierung wesentlicher Stücke des Prüfgebiets und Archivierung von
Attesten und Befunden

3.1. Registrierung wesentlicher Stücke des Prüfgebiets
Der Prüfer ist verpflichtet, eine strukturierte, auf die Problematik des Prüfgebiets
abgestimmte Registrierung der wesentlichen Stücke seiner Prüfgebiete zu führen.
Die Registrierung hat besonders teure, seltene und/oder fälschungsgefährdete
Stücke zu umfassen. Es sollen dabei mindestens Briefmarken, Abstempelungen
und philatelistische Belege mit einem Handelswert von mehr als € 1.000,00 erfasst
werden. Dies gilt auch für Stücke, die zur Prüfung vorgelegt wurden.

3.2. Archivierung von Attesten und Befunden
Die vom Prüfer im Laufe seiner Prüftätigkeit ausgestellten Atteste und Befunde sind
strukturiert zu archivieren. Die Archivierung soll so angelegt sein, dass es für den
Prüfer in einer vertretbaren Zeit möglich ist, festzustellen, ob ihm ein aktuell
vorgelegter Prüfgegenstand in der Vergangenheit schon einmal vorgelegen hat. Die
Abbildungen in archivierten Attesten sollen qualitativ geeignet sein, festzustellen, ob
das attestierte Stück identisch mit einem aktuell zu prüfenden Stück ist. Die
Archivierung kann auch elektronisch erfolgen.

4. Konsultation

Ist für ein Prüfgebiet mehr als ein Prüfer zugelassen, ist der Prüfer verpflichtet, bei
Prüfgegenständen mit einem Handelswert von mehr als € 5.000,00 oder einer
Prüfvergütung von mehr als € 500,00 Kontakt zu dem oder den anderen Prüfern
aufzunehmen, um die Vorlage des Stückes anzuzeigen und nachzufragen, ob der
Prüfgegenstand dort schon registriert ist oder zur Prüfung vorgelegen hat und
welches Ergebnis die Prüfung ergeben hat.